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Neubau kaum teurer als Sanierung

18.03.2015 13:48

Karl-Treutel-Schule stößt an räumliche Grenzen – Neues pädagogisches Konzept

„Die Empfehlung von unserer Seite ist eindeutig“, erklärte Christian Lanzinger vom Fachbüro kplan. Und sie lautete: Neubau statt Sanierung. Die Stadtverordneten sollen im April eine Grundsatzentscheidung zur Zukunft der Karl-Treutel-Schule (KTS) fällen. Einen Konzeptentwurf für einen Neubau der Grundschule stellte das Fachbüro während einer Sondersitzung der Stadtverordnetenversammlung am Montagabend vor. Die geschätzten Kosten für den Neubau belaufen sich auf rund 17,5 Millionen Euro.

Die Stadt als Schulträger und die Schulleitung wollen die KTS zu einer Ganztagsschule ausbauen. Zudem braucht die Grundschule mehr Platz, da die Stadt laut Bürgermeister Manfred Ockel (SPD) in den letzten Jahren überproportional gewachsen ist und auch in den nächsten Jahren noch wachsen wird. Grund dafür ist die Entwicklung der Wohngebiete Länger Weg II und III, die Wohnbebauung auf dem Enkagelände sowie die geplante Wohnbebauung auf dem Sandhügelplatz und in der Waldstraße mit einem geschätzten Zuzug von insgesamt 2500 Menschen.

Allein zwischen 2012 und 2013 stieg die Einwohnerzahl um 3,6 Prozent auf 14 749 Einwohner. Auch die Geburtenrate liege leicht über dem hessischen Durchschnitt, führte Christian Lanzinger aus. Deshalb wird die neue KTS fünfzügig auf einem Grundstück hinter dem Kunstrasenplatz an der Integrierten Ganztagsschule (IGS) geplant.

Bei einem Standortvergleich schnitt das Grundstück an der IGS aufgrund der Verkehrsanbindung durch eine Bushaltestelle und ausreichende Parkmöglichkeiten besser ab. Das Grundstück sei erschlossen, nur ein Teil des Lärmschutzwalls zum Sportplatz müsste verlegt werden, so der Planer. Zudem entstehe hier ein Bildungsstandort mit Grund- und Gesamtschule, Bibliothek und Mensa.

Auch der aktuelle Standort in der Friedensstraße sei grundsätzlich für eine Sanierung und Erweiterung geeignet, so Lanzinger. Problematisch sei jedoch die Verkehrssituation im Wohngebiet, auch sei die Grundstücksgröße begrenzt. Als Pluspunkte wurden die Mehrzweckhalle Süd und das Lehrschwimmbecken gewertet – beide Gebäude sind jedoch sanierungsbedürftig, das Schwimmbecken wurde erst kürzlich kostenintensiv repariert.

Eine Sanierung und ein Teilneubau der KTS am alten Standort sei laut Lanzinger mit rund 17,2 Millionen Euro fast so teuer wie ein Neubau. Allerdings sei eine energetische Sanierung schwierig und die Schule wäre für Jahre eine Baustelle. Zudem sei das neue pädagogische Konzept der Lernlandschaften nicht umsetzbar. Das Klassenzimmer mit Frontalunterricht und Blick zur Tafel sei aber nicht mehr zeitgemäß, erklärte Lanzinger.

Geplant sind im Neubau pro Geschoss drei Klassenhäuser mit jeweils zwei in sich geschlossenen Lernlandschaften (Cluster). Zudem gibt es jeweils ein Hort-, ein Kreativ- und Förder- sowie ein Verwaltungshaus. Jeder Cluster verfügt über einen Lehrerstützpunkt, eigene Toiletten und Garderoben, kleinere Klassen- und Arbeitsräume sowie einen „Marktplatz“ in der Cluster-Mitte. Dort sollen die Grundschüler auch gemeinsam essen.

Statt funktionaler Klassenräume sollen die modern eingerichteten Cluster wie eine „Lernwohnung“ die Identifikation und das Gemeinschaftsgefühl stärken. Verbunden sind alle Cluster mit einer „Dorfstraße“.

Laut Schulleiterin Isabella Brauns stoße man in der KTS bereits jetzt an die räumlichen Grenzen. In den neuen Räumen und auf dem Marktplatz dagegen seien Gruppen- und Projektarbeiten aber auch Deutschförderkurse und Intensivbetreuung im Rahmen der Inklusion möglich. Die Schüler seien für ihre Lernlandschaften verantwortlich, was die Identifikation fördere, erklärte die Schulleiterin. An der neuen Schule sollen zudem das Ganztagsangebot und die Schulkindbetreuung räumlich nicht mehr getrennt sein.

Am neuen Standort wäre zudem eine bauliche Erweiterung, beispielsweise eine Turnhalle, möglich. Dieter Tanke (WIK) kritisierte, dass diese Kosten noch nicht aufgeführt seien. „Das muss mit eingerechnet sein“, so Tanke. Für Bruno Zecha (WIK) stellte sich zudem die Frage, was mit der Mehrzweckhalle und dem Lehrschwimmbecken geschehe und forderte hierzu einen Kostenvoranschlag.

Ein eigenes Lehrschwimmbecken am neuen Standort sei laut Ockel zu teuer. Eine sinnvollere Variante sei eine Erweiterung des Sport- und Wellnessbades, da hier bereits die Technik und das Personal vorhanden seien.

Den Grundsatzbeschluss über Neubau oder Sanierung der KTS werden die Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung am 20. April fällen. Geht der Neubau durch, muss der Bebauungsplan für das Gebiet Länger Weg II und III geändert werden. Laut Christian Lanzinger kann Kelsterbach zudem auf Zuschüsse von bis zu 125 000 Euro der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) hoffen, die innovative und nachhaltige Bauweisen fördert. Stellt die Stadt den Förderantrag, gilt bei Genehmigung der Neubau als Projekt für Forschung und Entwicklung und die europaweite Ausschreibung – die drei bis vier Monate zusätzlich in Anspruch nimmt – entfällt.

Bereits im Juni 2016 könnte die Baugenehmigung erteilt und im Sommer 2017 mit dem Bau begonnen werden. Fertigstellung wäre 2019. Die Fläche in der Friedensstraße könnte dann in Wohngebiet umgewandelt werden, denn Kelsterbach verfügt laut Ockel, außer an der Feldstraße, kaum noch über Areale für Wohnbebauung.

Erschienen am 18.03.2015 im Freitags-Anzeiger
Autor: nad

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